Wir schrieben Mittwoch, den 10. Juni 2009 A.D. Der Auto-Tross von Bluot zi Bluoda machte sich von Graz aus auf den Weg ins Bayrische Land, um das erste Mal bei den "Ortenburger Ritterspielen" teilzunehmen. Die Vorhut wurde von Helü und mir gebildet, damit wir unseren Lagerplatz sichern und die ersten Aufbauarbeiten erledigen konnten. Wir waren also die "Hurenweibel".

 

Das Lager

Nach kleinen Umwegen trafen wir am Festgelände ein und dort waren schon die meisten Lager aufgebaut.  Mit gespannter Erwartartung suchten wir Wolfi Stocker, unseren Freund von der "Kaiserlichen Ackeley", welcher für die Lageraufteilung verantwortlich war. Als er uns unseren Lagerplatz zeigte, waren wir sehr erfreut: Ein idyllischer Fleck von 10 x 30 Meter zwischen sechs alten Apfelbäumen. Genug Platz also, um unsere 7 Zelte für 16 Mann (und Frau) großzügig unterzubringen. Der Lageraufbau zog sich etwas in die Länge, da unsere Leute unterschiedlich spät anreisten, doch verlief alles reibungslos. Der erste Abend verging gemütlich (und noch in Zivilkleidung) im Lager.

Laut Veranstalter waren etwa 300 Leute am Lager beteiligt, eine stattliche Zahl. Von Kelten über Schotten, Wikinger und Frühmittelalter-Gruppen bis hin zu Landsknechten und 30-jähriger Krieg war alles vertreten.

Gleich gegenüber lagerten die Gruppen vom BOL (Bund oberschwäbische Landsknechte) was zu einem erfreulichen Austausch von Naturalien führte: Bier wurde gegen Bier getauscht, Schnaps gegen Grütze.

Ein Gruß geht hiermit auch an unsere direkten Nachbarn, die Gruppe "na caraidean". Eure Kleinkinder sind wohl schon abgehärtet gegen lustiges Singen bis drei Uhr früh (sogar Austropop!), und gerade deshalb darf ihr Mittagsschläfchen wohl nicht durch Holzarbeiten gestört werden ;) Wir sehen uns am Cave Gladium wieder!

 

Der Einzug

Täglich gab es den obligatorischen Einzug der Gruppen. Der redegwandte Herold hatte jedoch sichtlich Probleme, uns richtig vorzustellen, was uns veranlasste, unseren diplomatischen Attaché Fips mit einer Visitenkarte vorauszuschicken. "Bruat zu Bruada" kann man ja nicht auf sich sitzen lassen.

Am Sonntag stand der große Umzug durch Ortenburg am Programm: eine Herausforderung. Bei etwa 30°C waren die meisten Schattenplätze bei der Aufstellung von Gerüsteten und Gewandeten belegt, doch unter Jubel der Zuschauer zogen wir (nach 45 Minuten Wartezeit) schließlich doch durch den Ort und zurück in die Turnierarena. Ein findiger Geschäftsmann bot eisgekühltes Mineralwasser in der Arena feil, eine wohltuende Abkühlung während der 20-minütigen, durch UV-Strahlung etwas schwitzige Wartezeit auf die Vorstellung.

Zur Zeitüberbrückung sang der Musikant der "Schwarzen Schafe" in Zusammenarbeit mit den "Odins Hörner" das Heidenlied. Das Publikum klatschte mit und hatte sichtlich Spass. Doch hinter dem "Heidenpack" standen die hoch- und spätmittelalterlichen "christlichen" Gruppen: Der Gesichtsausdruck mancher war als "I am not amused" klar interpretierbar und wenn ich mich nicht ganz täusche gingen manche Hände in Richtung Rosenkranz oder Schwert. Die Überzahl der "Ritter" brachte mich auf einen Gedanken: Wer konvertiert dem nichts passiert!

 

Die Feldschlacht

Und das war das Szenario in Kurzform (eine detailiertere Beschreibung würde den Rahmen sprengen): Die bischöflichen Truppen beschießen die Stellungen der ortenburger Stadttruppen und diese entschließen sich zu einem Ausfall. Ihr letzter. Mit einem finalen Arkebusenfeuer werden alle niedergemacht.

Ja, wir sind alle gestorben, aber mit viel Pathos! Vor allem Hoagie's Mimik war (nach diversen Mängelbeschwerden bei der "Generalprobe") schließlich einwandfrei, trotz Topfhelm (oder gerade deswegen)!. Unsere Marketenderinnen Gerhild und Renate kümmerten sich vorbildlich um die "Verletzten", und Heinz war ebenfalls in seinem Element: nach dem finalen Geschützfeuer zog er herum und plünderte die Leichen.

Die Anzahl der Teilnehmer an der Schlacht war leider Gottes eher gering: eine Hand voll Pikeniere und auf jeder Seite etwa 10 Infanteristen. Nichts destotrotz hatten wir Spass, und vor allem ist es immer wieder spannend, die "Goldene Pauline" in Aktion zu sehen.

 

Das Turnier

Zweimal täglich führte das "Kaiser Schowteam" ihr Turnier zu Pferde auf. Gegen Aufpreis konnten die Besucher dem Turnier beiwohnen, wir Gewandete bekamen sogar einen Platz auf der Ehrentribüne zu Füßen des Herzogs von Bayern.

Faszinierend, wie die Truppe ihre Pferde beherrscht. Wenn auch die Story etwas langatmig und nicht sehr fesselnd war, so machte das der Anblick eines Shire Horse in voller Action allemal wett.

 

 

Die Burg

Wir nutzten den späten Festbeginn, um dem Museum der Ortenburg einen Besuch abzustatten. Erstmal hieß es am Burgtor "Bitte läuten!" und eine ältere Dame gewährte uns Einlaß in die altehrwürdigen Gemäuer. 

Neben den klassischen Ausstellungsstücken, die in jedem heimatkundlichen Museum zu finden sind (Werkzeuge, Möbel und Einrichtungsgegenstände) faszinierte wohl der prunkvolle Schloss-Innenhof und vor allem die aufwändigst gestaltete Holzdecke in der Kapelle. Intarsien und Schnitzereien wo das Auge hinsieht. Und als ob jeder darauf gewartet hätte luden die Arkadengänge und der Innenhof zum "posen" ein. Die Ergebnisse sind in unserer Bildgalerie zu finden.

 

Mein Fazit

Trotz kleinerer Anstrengungen machte das Fest großen Spass! Der Veranstalter erwies sich sehr kompetent und schaffte einen reibungslosen Ablauf. Auf- und Abbau unseres Lagers war ebenso problemlos und vor allem das Teamwork bei den Lagerarbeiten war ausgezeichnet. Hiermit noch einmal mein Dank an alle Beteiligten für ihren Einsatz und Engagement! Wir zeigten uns meiner Meinung nach sehr soziel und knüpften einige Kontakte mit anderen Gruppen. Vor allem bin ich auf das Zusammentreffen mit Hans und seinen zwei Mitstreitern gespannt, um ihren Vollplatten den rechten Nutzen zuzuführen. Denn es ist, nebenbei gesagt, ein tolles Gefühl, nur in "Unterwäsche" einen Vollgerüsteten umzuczynnern.

 

Anshelm

 

 

 

 

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