6:45, der Wecker läutete im Zelt in Ortenburg bei Passau. Einige unserer Recken waren seit Mittwochabend bei den Ortenburger Ritterspielen und hatten nun einen weiten Weg ins steirische Neudau vor sich. Nachdem die letzten Sachen eingepackt waren und wir ein kleines Frühstück zu uns genommen hatten, machten wir uns um sieben Uhr auf den vierstündigen Weg von Ortenburg nach Neudau.

Um etwa 11 Uhr kamen wir in Neudau an, die Kollegen die aus Graz angereist waren hatten bereits unser Zelt aufgestellt und waren mit den letzten Arbeiten beschäftigt. Von Kindern belagert luden wir in Rekordzeit die Autos im wunderschönen Schlosshof des Neudauer Schlosses aus. Wir baten die Kids sich ein wenig zu gedulden, und alsbald saßen Sie aufgereiht auf den Bänken neben unserem Zelt und warteten auf uns wie das Krokodil auf den Kasperl.

Sobald der Waffenständer bestückt, der Tisch und Sitzgelegenheiten aufgestellt und wir in Schale geworfen waren, strömte ein Kindertsunami über uns her. Mit vereinten Kräften zeigten wir den Kids bereitwillig unsere Schwerter, Schilde, Rüstungen und Kettenhemden. Diverse Fotografen baten uns um ein paar Fotos und gern warfen wir uns in Pose. Erst kurz vor unserem ersten Auftritt ebbte die Aufmerksamkeit ab.

Unser erster Auftritt waren einige Technikvorführungen. Zuerst zeigten wir unseren Hutenlauf und einige Schlagübungen um dann die Techniken des Hans Czynner aus 1538 zu präsentieren. Da es sich hierbei um Fechten im Harnisch handelt, wirkten unsere beiden in Vollplatte gerüsteten naturgemäß sehr gut -- das scheppern wenn die beiden zu Boden fielen war sehr imposant. Jedoch mussten wir feststellen, dass eine reine Technikvorführung für das Publikum vielleicht doch recht schnell langweilig werden kann.

Nach dem ersten Auftritt wurde es im Schlosshof sehr schnell ruhig, die Leute verlagerten sich auf den naheliegenden Hauptplatz. Wir genossen die kurze Pause in diesem schönen Ambiente, um dann gleich wieder einen kurzen Umzug über den Hauptplatz zu machen, da wir auf unsere zweite Vorführung aufmerksam machen wollten. Vor allem die Kinderaugen waren wieder sehr groß als sie uns erblickten. Auf dem Hauptplatz war die Stimmung bei Schuhplattlern und Volksmusik sehr gut.

Bei unserem Lager blieb es noch ruhig, nur ab und an kamen Interessierte vorbei und probierten unsere Rüstungen und Waffen aus. Kurz vor dem zweiten Auftritt sammelten wir uns zu einem erneuten Umzug und zu unserer großen Freude folgten doch recht viele Leute unserem Aufruf.

Unser zweiter Auftritt, ein Schaukampf um eine vermeintliche Hexenanklage wurde vom Publikum begeistert angenommen. Peter, der als unser Herold auftrat, fesselte das Publikum mit seiner spannenden Erzählweise und alle anderen Protagonisten hatten sichtlich Spaß an dem gelungenen Stück. Auch die aus dem Publikum ausgewählte "Hexe" hielt den "Anschuldigungen" tapfer stand.

Nach dem Auftritt trauten sich noch einige Besucher zu unserem Lager. Gegen 19:00 mussten wir dann mit dem Abbau unseres Zeltes beginnen. Das Abbauen und zusammenräumen klappte problemlos und alle packten mit an, damit innerhalb kürzester Zeit alles erledigt war.

Nach einer kurzen Abschiedsrunde am Hauptplatz fuhren wir erschöpft aber zufrieden nach Hause, und hoffen wieder einmal kommen zu dürfen.